remote-online.de

Standort

Stiftung & Holding: So sparen Milliardäre Steuern

09. Juli 2026 · 14 Min. · Nina Vogt
Vermögensstruktur planen mit Holding und Stiftung

Wer verstehen will, wie Vermögende in Deutschland ihre Steuerlast auf einen Bruchteil drücken, kommt an drei Buchstaben und einem Wort nicht vorbei: GmbH, Holding und Stiftung. Genau um diese Bausteine geht es beim Thema Stiftung Holding Steuern. Die Konstrukte sind kein Geheimwissen und in keinem Fall illegal. Sie stehen jedem offen, der sich früh genug damit beschäftigt.

Ich erkläre dir, wie die einzelnen Vehikel funktionieren, wann welches Sinn ergibt und wo die teuren Denkfehler lauern. Konkret: Warum eine Holding über 30 Jahre Millionen macht, warum die Liechtensteiner Stiftung mehr kann als die deutsche, was die Wegzugssteuer wirklich kostet und weshalb die Erbschaftssteuer als vermeidbare Steuer gilt. Alles mit echten Zahlen, keine Werbeversprechen.

Eine Sache vorweg: Steueroptimierung ist für Unternehmer nichts Anrüchiges, sondern schlicht Pflicht. Ich kenne keinen wirklich erfolgreichen Unternehmer, der es nicht macht. Für alle, die das ähnlich sehen, geht es jetzt ans Eingemachte.

Wie viel Steuern zahlt man in Deutschland als Unternehmer wirklich?

Bei einer sauber aufgesetzten Kapitalgesellschaft landen erfahrungsgemäß rund 30 bis 35 Prozent auf dem erwirtschafteten Gewinn, wenn am Ende auch echtes Geld übrig bleiben soll. Wer den Gewinn dagegen komplett privat vereinnahmt, zahlt spürbar mehr, weil zur Körperschaftsteuer noch die private Besteuerung kommt. Machst du mit deiner GmbH 500.000 Euro Gewinn und setzt alles vernünftig auf, liegst du bei jenen 30 bis 35 Prozent, sofern das Geld danach auch auf einem Konto liegt und nicht nur durch Investitionen wegdefiniert wurde.

Interessant wird es bei den Sonderfällen. In der Pflegebranche zahlen GmbHs teilweise nur 15 Prozent Steuern, weil der Gesetzgeber der Pflege bewusst mehr Luft zum Atmen geben wollte. Kurios dabei: Viele Pflegeunternehmen mit über 100 Mitarbeitern firmieren immer noch als Einzelunternehmen und verschenken genau diesen Vorteil.

KonstellationGrobe SteuerlastKommentar
Einzelunternehmen, hoher Gewinnbis 45 Prozent +Voller privater Steuersatz
GmbH mit privater Ausschüttungca. 30 bis 35 ProzentKörperschaftsteuer plus Kapitalertragsteuer
GmbH in der Pflegebrancheca. 15 ProzentBranchenbedingte Begünstigung
Gewinn in der Holding gehaltenca. 1,5 ProzentNur solange nicht privat ausgeschüttet

Der Hebel liegt also nicht darin, ob du Steuern zahlst, sondern wo dein Geld arbeitet. Wer strukturiert vorgeht, verschiebt Gewinne dorthin, wo sie am wenigsten belastet werden und am längsten für ihn arbeiten. Wenn du grundsätzlich überlegst, dein Business ortsunabhängig aufzuziehen, hilft dir vorab unser Überblick zu ortsunabhängig Geld verdienen.

Was bringt eine Holding und ab wann lohnt sie sich?

Eine Holding ist ein Vehikel, mit dem du Gewinne aus deiner operativen GmbH mit nur rund 1,5 Prozent Steuerlast steueroptimiert herausziehst, enthaftest und weiterinvestierst. Sie lohnt sich, sobald dein Unternehmen mehr abwirft, als du privat brauchst, grob ab 60.000 bis 70.000 Euro Jahresgewinn, oder wenn ein Verkauf oder Investoreneinstieg denkbar ist.

Der Kerngedanke: Alles Geld, das unten in der operativen Gesellschaft liegt, gehört zur Haftungsmasse. Als Unternehmer willst du das nicht. Statt Gewinne privat auszuschütten und noch einmal rund 26 Prozent obendrauf zu zahlen, ziehst du sie über die Holding fast steuerfrei nach oben. Von dort kaufst du Aktien, gründest eine Immobiliengesellschaft oder beteiligst dich an anderen Firmen.

Ein Bild macht es klar: Die Holding ist wie ein Wasserhahn. Kommt aus deiner Leitung kaum etwas, brauchst du keinen Hahn. Kommt aber viel, ertrinkst du irgendwann in den Steuern. Der Hahn ist das Ventil, mit dem du steuerst, wie viel privat ankommt und wie viel im Konstrukt bleibt und weiterwächst.

Wann sie nicht sofort nötig ist: Wenn du in den ersten Jahren jeden Euro reinvestierst, nichts ausschüttest und kein Exit-Potenzial hast, wäre eine Holding zunächst überflüssiger Ballast. Das sind aber die Ausnahmefälle, die meisten Unternehmen erwirtschaften mehr, als sie brauchen. Denk deshalb an die Holding wie an Kinderkleidung: Du kaufst eine Nummer größer, weil Umstrukturieren später Aufwand, Kosten und Steuern bedeutet. Willst du eine GmbH gründen, überleg gleich, ob du nicht die Holding darüber setzt. Wie du das mit einem tragfähigen Geschäftsmodell verbindest, zeigt unser Leitfaden zum Online-Business aufbauen.

Warum macht eine Holding über 30 Jahre Millionen mehr?

Weil der Zinseszins auf unversteuertem Kapital arbeitet. Wer 100.000 Euro Jahresgewinn in der Holding lässt und mit rund 7 Prozent Rendite investiert, hat nach 30 Jahren etwa 9,3 Millionen Euro. Privat ausgeschüttet und dann investiert bleiben nur rund 6,5 Millionen. Ein Unterschied von 2,8 Millionen Euro, allein durch das gewählte Gefäß.

Ausgangslage: 100.000 Euro Gewinn pro Jahr, investiert mit 7 Prozent Rendite, etwa in einen breiten Index wie den S&P 500.

ZeitraumVermögen in der HoldingVermögen privatUnterschied
Nach 10 Jahrenca. 1,37 Mio. Euroca. 1,07 Mio. Euroca. 300.000 Euro
Nach 30 Jahrenca. 9,3 Mio. Euroca. 6,5 Mio. Euroca. 2,8 Mio. Euro

Der Grund ist simpel: Privat verlierst du bei jeder Ausschüttung und jedem realisierten Gewinn einen ordentlichen Anteil an den Fiskus, bevor das Kapital weiterarbeiten kann. In der Holding bleibt fast alles im System, der Zinseszins entfaltet seine volle Wucht. Bei einer Million Euro Jahresgewinn stehen am Ende sogar rund 93 gegen 65 Millionen Euro.

Ein oft gehörter Einwand lautet, die Holding spare gar keine Steuern. Das stimmt nur, wenn du ohnehin alles privat ausschüttest, dann ist sie ein leicht teurerer Zwischenschritt. Kaum ein Unternehmer will das aber. Wer reinvestiert, gewinnt. Dazu ein Punkt, den viele übersehen: Verschärfungen bei der Kapitalertragsteuer treffen zuerst Privatanleger, weil die sich nicht wehren können. In Unternehmensstrukturen hast du die bessere Planbarkeit.

Was bringt eine Holding beim Verkauf des Unternehmens?

Enorm viel. Verkaufst du eine operative GmbH aus einer Holding heraus, zahlst du auf den Veräußerungsgewinn nur etwa 1,5 Prozent Steuern. Bei einem Verkauf über 10 Millionen Euro sind das rund 150.000 Euro statt einer siebenstelligen Belastung. Der Erlös liegt danach in der Holding und arbeitet dort weiter.

Genau hier trennt sich Vorbereitung von Nachlässigkeit. Verkaufst du die Anteile privat und nackt, wird der volle Gewinn besteuert. Über die Holding bleibt der Löwenanteil im Konstrukt. Von dort kaufst du Immobilien, Aktien, andere Firmen oder lässt das Geld als Cash liegen und schüttest dir privat aus, was du brauchst.

Der klassische Fehler klingt harmlos: Ich will sowieso nie verkaufen. In der Praxis kippt das oft, weil plötzlich ein Angebot kommt, das sich nicht ablehnen lässt. Es gibt Unternehmer, die ihr Herzensprojekt an einem einzigen Tag verkauft haben, obwohl sie es nie vorhatten. Ohne Struktur darüber wurde das teuer.

Deshalb gilt: Wenn du dir einen Exit auch nur ansatzweise vorstellen kannst oder Investoren einsteigen könnten, bereite dich vor. Da Umstrukturieren später Steuern und Kosten auslöst, ist die frühe Entscheidung fast immer die günstigere.

Wozu dient eine GmbH & Co. KG in der Vermögensstruktur?

Die GmbH & Co. KG ist eine haftungsbeschränkte Personengesellschaft. Ihre Stärke liegt nicht im laufenden Steuersatz, sondern in der Gestaltung: Immobilien mit Abschreibung, das frühe Beteiligen der eigenen Kinder und die Absicherung gegen die Wegzugssteuer. Falsch aufgesetzt ist sie allerdings nachteilig, weil du wieder voll auf privater Ebene besteuert wirst.

Technisch verbindet sie zwei Welten. In einer klassischen Kommanditgesellschaft haftet der Komplementär voll, die Kommanditisten nur mit ihrer Einlage. Bei der GmbH & Co. KG übernimmt eine GmbH die Komplementärrolle, sodass niemand persönlich voll haftet. Besteuert wird transparent, auf Ebene der Gesellschafter. Der erste große Anwendungsfall sind Immobilien: Abschreibungen werden dir wieder privat zugerechnet, anders als in der reinen Kapitalgesellschaft, und Vermögenswerte lassen sich leichter einbringen, oft grunderwerbsteuerfrei.

Der zweite, oft unterschätzte Fall betrifft die Kinder. Kinder unter 18 kannst du an einer GbR oder GmbH kaum sinnvoll beteiligen, ohne Familiengericht und harte Regularien. In der Kommanditstruktur geht das schon ab null Jahren. Du holst sie als Kommanditisten ins Boot, nutzt über 18 Jahre zweimal den Schenkungsfreibetrag von 400.000 Euro und Jahr für Jahr die Steuerfreiprogression von rund 10.000 Euro pro Kind. Das summiert sich pro Kind auf zusätzlich rund 180.000 Euro, die du steuerfrei aus dem Konstrukt holst.

Der Clou bei der Stimmrechtsgestaltung: Die Kinder erhalten Vermögen, aber du bleibst als Komplementär am Drücker. Sie können mit 18 nicht einfach die Immobilie verkaufen und das Geld verprassen. Im Todesfall wechseln nur noch die Stimmrechte den Eigentümer, was keine Steuer auslöst. Genau deshalb taucht die GmbH & Co. KG oft in Familienstrukturen und beim Thema Auswandern auf.

Warum eine Liechtensteiner Stiftung statt einer deutschen?

Weil Liechtenstein als Vermögensstandort deutlich vorteilhaftere und stabilere Gesetze bietet. Die deutsche Familienstiftung ist an ein Land mit unbeständiger Steuerpolitik gebunden und stirbt alle 30 Jahre durch die Erbersatzsteuer fiktiv, was jedes Mal Erbschaftssteuer auslöst. Die Liechtensteiner Stiftung kennt weder Erbersatzsteuer noch Erbschaftssteuer.

Zunächst: Was ist eine Stiftung überhaupt? Ein Zweckvermögen. Du nimmst dein Vermögen und widmest es einem Zweck, meist der Versorgung deiner Familie bis in alle Ewigkeit. Bildhaft schaffst du damit das perfekte Familienmitglied: Es stirbt nicht, lässt sich nicht scheiden, kommt nicht ins Gefängnis und handelt nur nach den Regeln, die du ihm gibst. Dieses Gebilde bindest du an ein Land.

Und hier trennen sich die Wege. Die deutsche Stiftung hängt an einem Standort, der nicht für vorteilhafte Gesetze steht, und wird alle 30 Jahre über die Erbersatzsteuer belastet. Immerhin planbar, aber teuer und ohne echte Gestaltungsspielräume. Deutsche Großfamilien nutzen sie trotzdem, aus einem anderen Grund: Ihr Vermögen ist so gewaltig, dass es sich gar nicht mehr ins Ausland verschieben ließe. Dann dient die Stiftung als Regelungsapparat, nicht als Steuersparmodell.

Liechtenstein hat sich dagegen bewusst als Vermögensstandort erfunden. Ein winziges Land ohne Bodenschätze, früher bitterarm, das seine Gesetze konsequent darauf ausgelegt hat, weltweit Kapital anzuziehen. Die Folge: ein sehr gutes Stiftungsrecht, breite Doppelbesteuerungsabkommen und der praktische Ausschluss vermögensfeindlicher Gesetze über Nacht, weil das Land damit seinen eigenen Wohlstand zerstören würde.

MerkmalDeutsche StiftungLiechtensteiner Stiftung
ErbersatzsteuerJa, alle 30 JahreNein
ErbschaftssteuerRelevantKeine
RechtsstabilitätSchwankendSehr hoch
Wegzug ermöglichenEingeschränktJa, gängige Lösung
GestaltungsspielraumGeringHoch

Wichtig bleibt die Einordnung: Ich will die deutsche Stiftung nicht schlechtreden, sie hat ihre Berechtigung als Schutz- und Ordnungsinstrument. Nur als das Steuerwunder, als das sie im Internet oft verkauft wird, taugt sie nicht. Wer mit Auswandern liebäugelt, findet in unserem Beitrag remote arbeiten 2026 den passenderen Einstieg für die persönliche Standortfrage.

Wie funktioniert das komplette Konstrukt für internationale Vermögen?

Beim internationalen Aufbau sitzt oben die Liechtensteiner Stiftung, darunter eine Liechtensteiner Aktiengesellschaft als Holding, und diese AG hält die Beteiligungen weltweit. Dividenden fließen in der Regel mit 0 Prozent, die Struktur ist intransparent, bürokratiearm und über Doppelbesteuerungsabkommen breit anschlussfähig.

Warum die AG als Zwischenebene? Wenn die Stiftung intransparent bleiben soll, muss sie von einem Treuhänder in Liechtenstein geführt werden und darf mit dir persönlich nichts zu tun haben. Du darfst offiziell keine Entscheidungen treffen, sonst riskierst du eine transparente Besteuerung dort, wo du wohnst. Über die zwischengeschaltete AG behältst du steuerlich sauber die operative Kontrolle. Zudem werden Dividenden dort meist mit 0 Prozent besteuert, in einer deutschen Holding wären es rund 1,5 Prozent.

Das Prinzip in der Praxis: Es gibt deutsche Agenturen, die nach Uruguay ausgewandert sind und über die gesamte Kette 0 Prozent zahlen, vom operativen Geschäft bis zur Ausschüttung an die Gesellschafter. Komplett legal, aber nur mit echter Substanz: Betriebsstätte, Büro, eventuell Mitarbeiter. Eine leere Hülle zu gründen und wegzuziehen funktioniert nicht.

Genau deshalb ist ein Wegzug nie eine reine Steuerentscheidung. Du musst tatsächlich vor Ort sein und Substanz aufbauen. Wer Deutschland mag, sollte bleiben, denn auch hier lässt sich die Last spürbar senken, nur eben nicht auf 0 Prozent. Die Liechtensteiner Stiftung wird vor allem dann interessant, wenn ein Wegzug realistisch geplant ist oder als Tresor, damit dein Vermögen nicht komplett in Deutschland festhängt.

Was kostet eine Stiftung und ab welchem Vermögen lohnt sie sich?

Eine Liechtensteiner Stiftung ist teuer. Rechne mit mindestens 50.000 bis 100.000 Euro Aufsetzkosten, allein wegen rund 30.000 Euro Gründungskapital für die Stiftung und etwa 50.000 Franken für die Aktiengesellschaft. Erfahrungsgemäß ist sie unter einer Million Euro Vermögen nicht zu empfehlen, es sei denn, du wächst gezielt hinein.

Das Märchen von null Kosten und null Steuern stimmt nicht. Jeder, der das behauptet, erzählt Unsinn. Vermögen bekommst du entweder per Schenkung oder per Verkauf in die Stiftung, und beides kann Steuern auslösen. Bei einer Unendlichkeitsstiftung liegt der Schenkungsfreibetrag bei rund 100.000 Euro, alles darüber wird schenkungsteuerpflichtig. Und einmal gestiftetes Vermögen ist dauerhaft gebunden, du bekommst es nie wieder heraus.

Zwei sinnvolle Wege gibt es trotzdem. Erstens perspektivisch gründen: Du investierst früh viel und wächst über Jahre hinein. Zweitens am Tipping Point ansetzen: Du hast genug Vermögen, dass es auf dem Papier passt, und stehst vor deutlichem Wachstum. Dann strukturierst du zwischen, löst zwar Kosten und Steuern aus, sparst aber über die Jahre ein Vielfaches.

Wichtig ist die Reihenfolge. Wer als Einzelunternehmer startet und später Lehrgeld zahlt, ist meist erfolgreicher als jemand, der zuerst eine siebenfache Holding aufsetzt und drei, vier Jahre mit Beratung verliert. Zeit im Markt schlägt Perfektion am Anfang. Ein letzter Hinweis: Genauso wenig, wie du nach einem Friseur-Tutorial deine eigenen Haare schneidest, solltest du eine Holding nach Musterprotokoll beim Notar zusammenklicken. Bei diesen Beträgen kostet ein einzelner Beratungsfehler schnell einen sechsstelligen Betrag.

Warum gilt die Erbschaftssteuer als vermeidbare Steuer?

Weil sie sich in fast allen Fällen zu 100 Prozent umgehen lässt, wenn du früh genug strukturierst. An Kinder kannst du alle 10 Jahre 400.000 Euro pro Kind steuerfrei übertragen. Wer erst zwei Jahre vor der Übergabe anfängt, zahlt dagegen den vollen Satz, weil dann keine Zeit mehr für die Gestaltung bleibt.

Rechne es an einem Immobilienportfolio von 500.000 Euro durch. Der Freibetrag pro Kind liegt bei 400.000 Euro alle 10 Jahre, für die volle steuerfreie Übertragung brauchst du also rund 20 Jahre. Der Haken: Die Immobilie steigt im Wert, verdoppelt sich vielleicht, und schon reichen 20 Jahre nicht mehr, sondern eher 30 bis 40. Deshalb gilt: Sobald du eine Immobilie kaufst oder ein Unternehmen gründest, überleg dir, wie du wieder herauskommst.

Bei Unternehmen greifen zusätzlich die Verschonungsregeln. Es gibt die 85-prozentige und die 100-prozentige Verschonung, bei der ein Großteil der Übertragung steuerfrei bleibt und du nur auf den Rest zahlst. Die 100-prozentige Variante hat eine Falle: Du musst über Jahre die Lohnsumme halten. Musst du Leute entlassen, kippt die Begünstigung und du versteuerst nachträglich alles.

Für Immobilien gibt es weitere Hebel, etwa den Wohnbaukonzern ab 300 Wohneinheiten, der sich relativ steuerneutral übertragen lässt. Der beste Ansatz bleibt aber, die Kinder früh über eine Familienpoolgesellschaft am Wertzuwachs zu beteiligen, ohne dass sie Macht ausüben. Der Wertzuwachs passiert dann bereits in ihrem Vermögen, während die Kontrolle bei dir bleibt.

Der Trend gibt dem Thema recht: Marktbeobachtungen zeigen, dass rund 270.000 Menschen pro Jahr aus Deutschland auswandern, überwiegend Menschen mit Vermögen. Wer bleibt, sollte spätestens ab etwa 100 Millionen Euro in ordentliche Beratung investieren.

Was ist die Wegzugssteuer und wie umgeht man sie?

Die Wegzugssteuer greift, wenn du Anteile an Kapitalgesellschaften im Privatvermögen hältst und Deutschland verlässt. Der Fiskus behandelt das wie einen fiktiven Verkauf. Der Durchschnittsgewinn der letzten drei Jahre wird mit dem Faktor 13,7 hochgerechnet und darauf rund 30 Prozent fällig, obwohl du gar nichts verkauft hast.

Ein Beispiel: Bei durchschnittlich 100.000 Euro Jahresgewinn setzt das Finanzamt den Firmenwert mit 1,37 Millionen Euro an. Rund 30 Prozent davon, also grob 400.000 bis 500.000 Euro, sollst du zahlen, ohne dass ein Cent geflossen ist. In der Praxis gibt es Fälle, in denen beim Wegzug ohne Struktur zweistellige Millionenbeträge fällig wurden.

Es gibt Auswege. Erstens die GmbH & Co. KG: Du gründest eine Personengesellschaft mit echter Substanz und kettest deine Anteile mittelbar an Deutschland, sodass der Wegzug ohne sofortige Wegzugssteuer möglich wird. Zweitens die Stiftung, bei der du dein Vermögen komplett abgibst. Drittens die taktische Auslösung: Ziehst du dauerhaft in ein Niedrigsteuerland wie die Schweiz, kann es klüger sein, die Steuer einmal bewusst auszulösen, solange der Unternehmenswert noch niedrig ist.

Ein verwandtes Instrument ist die Entstrickungssteuer. Sie funktioniert wie die Wegzugssteuer, greift aber zusätzlich auf geistiges Eigentum. Damit sind auch Freelancer und Creator betroffen, sobald Lizenz- oder Markenrechte im Spiel sind. Wer international denkt, sollte beide Steuern früh einplanen.

Die Kernbotschaft über alle Bausteine hinweg: Struktur ist eine Frage der Vorbereitung, nicht des Vermögens. Holding, GmbH & Co. KG und Stiftung sind Werkzeuge mit klaren Einsatzgebieten. Wer früh anfängt, eine Nummer größer denkt und sich für seinen Fall sauber beraten lässt, spart nicht nur Steuern, sondern schützt sein Vermögen über Generationen.

Häufige Fragen

Ab wann lohnt sich eine Holding wirklich?

Erfahrungsgemäß lohnt sich eine Holding, sobald dein Unternehmen mehr erwirtschaftet, als du privat brauchst und reinvestieren willst. Grob ab etwa 60.000 bis 70.000 Euro Jahresgewinn wird sie interessant. Reinvestierst du in den ersten Jahren ohnehin alles und planst keinen Verkauf, kann sie anfangs überflüssig sein und nur Kosten verursachen.

Spart eine Holding überhaupt Steuern, wenn ich am Ende doch alles privat ausschütte?

Wenn du wirklich jedes Jahr alles ausschüttest, ist die Holding nur ein Zwischenschritt, der geringfügig mehr kostet. Der Vorteil entsteht, weil du Gewinne mit rund 1,5 Prozent Steuerlast reinziehst und im Konstrukt reinvestierst. Über Jahre schlägt der Zinseszins die private Variante deutlich, im Beispiel um Millionenbeträge.

Ist eine Stiftung ein Werkzeug zum Steuersparen?

Nein, das ist ein weit verbreitetes Missverständnis. Eine Stiftung ist ein Regelungs- und Schutzinstrument, kein Steuersparmodell. Sie bindet Vermögen dauerhaft an einen Zweck und lässt sich praktisch nicht mehr auflösen. Sinnvoll wird sie bei sehr großem Vermögen, für die Nachfolgeplanung oder wenn ein Wegzug ins Ausland geplant ist.